Archiv für August 2011

Pressemitteilung der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. zum Stay Rebel Festival in Limbach-Oberfrohna am 20.08.2011

Wie letztes Jahr fand auch in diesem Jahr ein alternativ-kulturelles Festival in der Innenstadt von Limbach-Oberfrohna statt – das Stay Rebel. So kamen um die 160 Personen unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“ auf dem Johannisplatz, um ein breites Bildungs- und Kulturprogramm zu genießen.

Politischer Input

Wie letztes Jahr hatten auch in diesem mehrere Organisationen, wie zum Beispiel Antifagruppen aus der Region, das Bunte Bürgerforum, die Opferberatung RAA Sachsen und weitere Initiativen, die sich für eine emanzipatorischere Gesellschaft einsetzen, die Möglichkeit an den Infoständen ihre Arbeit vorzustellen. Dabei griffen die Besucher_innen mehrmals nach dem ausgelegten Material und stellten einige Fragen. So auch bei dem Infostand unseres Vereins, der eine Kostprobe auf das zahlreiche Bildungsangebot unseres zukünftigen Infoladens „Schwarzer Peter reloaded“ geben konnte.

Weitergehend wurde den angereisten politisch-aktiven Gruppen die Möglichkeit geboten, die Bühne für Redebeiträge zu nutzen. Diese Redebeiträge wurden von sehr vielen Teilnehmer_innen sehr positiv aufgenommen, sodass die angesprochenen Themen über Ungleichwertigkeitsideologien auf großes Gehör stießen.

Ebenfalls fand auf der Bühne eine Podiumsdiskussion zum Thema „Antifaschistisches Engagement in der sächsischen Provinz“ statt. Dabei waren Vertreter_innen des Bunten Bürgerforums, der Opferberatung RAA Sachsen, des „Roten Baums“ aus Zwickau und unseres Vereins zu sehen. Die Diskussion handelte vorallem über einen Erfahrungsaustausch in Hinblick auf die Arbeit gegen Nazis in ländlichen Regionen. Letztendlich kamen die Podiumsteilnehmer_innen zu dem Ergebnis, dass fast alle Gruppen, die sich gegen menschenverachtende Ideologien einsetzen, mit den selben Problemen zu kämpfen haben: meist stößt das Engagement auf eine sture Stadtverwaltung, die jegliche emanzipatorische Arbeit als schädlich begreift. Weitergehend zerstören Nazis vieles, was mit sehr viel Mühe aufgebaut wurde. Als hilfreich im Kampf gegen Nazis wurde festgestellt, dass vorallem alternative Freiräume und eine solidarische Zusammenarbeit aller politischen Kräfte das Zurückdrängen des Neonazismus fördern.

Nicht nur die Bühne und die Infostände wurden für den politischen Bildungsprozess genutzt: zwei Referatszelte sorgten für eine tiefgreifendere Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themen. So haben wir einen Workshop über die Verhältnisse der sächsischen Asylpolitik von der MdL Freya-Maria Klinger, einen Workshop mit dem Titel „Das Hufeisen an den Nagel hängen“ von der Roten Hochschulgruppe Chemnitz und den Workshop „Riot Girls – feministische Bewegungen“ (als Ersatz für den zuerst geplanten Workshop „Was Superman und Barbie uns vorgeben) vom Netzwerk für Demokratie und Courage angeboten. Zudem sollte der Film „Die Tragödie der Provinz“ gezeigt werden.
Dabei ist selbstkritisch zu bemerken, dass die Referatszelte im letzten Jahr wesentlich besser besucht waren – dies ist aber möglicherweise durch die geringere Teilnehmer_innenzahl zum letzten Jahr zuzuschreiben. Jedoch ist diese geringere Zahl an Besucher_innen nicht durch ein schlechteres Programm oder Ähnliches zu begründen, sondern durch die Ereignisse in Leipzig. Den Demonstrant_innen sei hierbei unsererseits große Solidarität zugeschrieben – Nazi-Kundgebungen zu blockieren ist genauso unverzichtbar, wie das Stay Rebel in Limbach-Oberfrohna.

Alternativ-kulturelle Angebote

So wie die zahlreichen anderen Stay Rebel, die bisher in Sachsen stattfanden, bewies auch das in Limbach-Oberfrohna, dass die Verbindung von Bildungs- und Kulturprogramm eine sinnvolle ist. So traten Bands aus den unterschiedlichsten Genres auf. Zuerst spielte „Berlinska Dróha“ (Akustisch/Folk) aus Berlin. Danach trat „One Step Ahead“ (Hardcore/Punk) aus Limbach-Oberfrohna als Vertretung für Attic Sounds auf. Im Anschluss kamen „Gone For Broke“ (Hardcore) aus Chemnitz auf die Bühne – folgend die oben erwähnte einstündige Podiumsdiskussion. Als letztes trat „Meniak“ (Fusion/Latin/Ska) aus Chemnitz/Dresden/Leipzig/Berlin/
Markneukirchen/Jena/Nürnberg auf. Als im Anschluss eine Feuershow gezeigt wurde, versammelten sich sogar einige der Anwohner_innen direkt vor der Bühne, um das Spektakel näher zu beobachten.

Unser Angebot nimmt in der Aufzählung einfach kein Ende: So haben wir Grafittiwände aufgestellt, eine Kinderecke organisiert und für veganes Essen und Trinken gesorgt. Vorallem die Grafittiwände und die Kinderecke wurde von vielen genutzt und lösten große Begeisterung aus.

Und unsere überdeutschen Freunde?

Störungen gab es dieses Jahr so gut wie gar keine. Einmal versuchten zwei Personen, von denen eine eindeutig als nazistisch eingestuft werden kann, mit Bierflaschen (trotz Glasflaschenverbot) dem Event beizuwohnen. Nach mehreren Aufforderungen das Gelände zu verlassen, langen Diskussionen mit Beamt_innen der Polizei und des Ordnungsamtes und zahlreichen Beleidigungen ausgehend von den zwei Störern, kamen diese endlich der Aufforderung das Festival zu verlassen nach. Weitergehend waren mehrere rechtsoffene Jugendliche um das Gelände herum gesichtet worden. Zudem wurde mehrmals versucht aus einem vorbeifahrenden Auto heraus die Teilnehmer_innen zu filmen. Letztendlich kann aber gesagt werden, dass es dieses Jahr wesentlich ruhiger als letztes Jahr war; da versuchte eine Gruppe von circa 30, eher als jung einzustufende, Gruppe an Neonazis auf das Gelände zu kommen, was erfolgreich von den Ordner_innen verhindert werden konnte.

Schlussbetrachtung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Stay Rebel Festival Limbach-Oberfrohna 2011 ein voller Erfolg war. Besucher_innen haben das bunte und breite Programm gut genutzt und es gab so gut wie keine Störungen. Politisch aktive Gruppen wurden zusammengeführt und konnten sich austauschen, Bands konnten sich vorstellen, politische Inhalte wurden an die Teilnehmer_innen weitergetragen und wir haben mal wieder gezeigt: Wir sind in der Lage Orte zu schaffen, wo menschenverachtende Ideologien keinen Platz finden – denn diese Orte sind notwendig, um den nazistischen Mainstream innerhalb der limbacher Jugendlichen zurückzudrängen.

Am Schluss möchten wir uns bei allen Unterstützer_innen bedanken. Ohne Solidarität von allen Helfer_innen, Referent_innen, Initiativen, Bands, Ordner_innen und so weiter wäre ein Stay Rebel 2011 in so einem Ausmaß nicht möglich gewesen.
Bis zum nächsten Jahr!

Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.

Friedlicher Protest als Zeichengegen rechtes Denken und Gewalt

Themen wie rechte Gewalt und Prävention standen im Mittelpunkt der Veranstaltung Stay Rebel auf dem Johannisplatz


Beim Stay-Rebel-Festival auf dem Johannisplatz gestalteten Jugendliche Bilder und Anstecker.

Foto: Wiegand Sturm

Limbach-Oberfrohna. Der Johannisplatz, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat: eine große Bühne mit Musik, zwei Zelte für Filmvorführungen und Informationsstände – dazwischen etwa 120 Jugendliche, die tanzen, diskutieren, basteln oder einfach die Sonne genießen. „Wir haben uns mehr erhofft“, resümiert Daniel Drescher von der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, die das Festival Stay Rebel (zu deutsch: bleib rebellisch) organisiert hat. „Gerade die neutralen Jugendlichen aus Limbach haben wir vermisst“, sagt er. Fast ein halbes Jahr Vorbereitungszeit bedurfte das Freiluft-Spektakel am Samstagnachmittag. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen rechte Ideologien und für mehr Toleranz setzen“, sagte Moritz Thielicke, Stadtrat der Fraktion der Linken.

Damit dieses Zeichen nicht übersehen werden konnte, wurde als Austragungsort der Johannisplatz, das Zentrum der 25.000-Einwohner Stadt, gewählt. „Nach den Vorfällen der letzten Monate haben wir einen Platz gesucht, der Kundgebungscharakter besitzt und auf dem man uns nicht übersehen kann“, sagt Drescher. Das Festival wurde von der Versammlungsbehörde des Landkreises Zwickau als politische Veranstaltung genehmigt.

Die Friedlichkeit sollte durch Auflagen an die Veranstalter gesichert werden. „Hochprozentiger Alkohol, das Mitführen von Glasflaschen und das Tragen von Springerstiefeln waren untersagt“, erklärt Drescher. Außerdem hätten nur Fahnen einer bestimmten Maximalgröße mit Stiel aus Weichholz mitgebracht werden dürfen. „Mit diesen Auflagen konnten wir leben“, sagt das Vereinsmitglied. „Das einzige, was aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt war, war die kurzfristige Schlussvorgabe der Stadt.“ Bereits im März habe man das Vorhaben angemeldet. Erst Ende Juli ist laut Drescher die Genehmigung, das Festival bis 22 Uhr offen zu lassen, zurückgezogen und auf 20 Uhr begrenzt worden – wegen möglicher Ruhestörung. „Wir hatten extra 22 Uhr eine Feuershow organisiert, die unter hellem Himmel zwei Stunden früher natürlich weniger effektiv ist“, so Drescher.

Für André Löschner von der Opferberatung aus Chemnitz ist Limbach ein Ort, der eine Beispiel-Rolle für Formen des Extremismus einnimmt. „Wir verfolgen seit drei Jahren die Geschehnisse in der Stadt“, so Löschner, „die jungen Leute hier haben gute Ideen, die aber oft von vornherein mit linkem Gedankengut in Verbindung gebracht werden und dadurch kein Gehör finden.“

Manuela Weiß vom Bunten Bürgerforum sieht den Ursprung rechter Gewalt aus zwei Richtungen: „Zum einen wird den jungen Menschen in der Stadt zu wenig geboten und sie langweilen sich. Zum anderen haben oder nehmen sich Eltern immer weniger Zeit, mit ihren Kindern über die Ausmaße der rechten Problematik zu sprechen, Symbole zu deuten und Hintergründe zu beleuchten. Es ist gefährlich, wenn sich Teenager versuchen zu orientieren, aber im Elternhaus keine Aufklärung erfahren.“ Manuela Weiß wünscht sich, dass das Stay-Rebel-Festival im nächsten Jahr von einem Mitglied der Stadtverwaltung eröffnet wird, um deutlich zu machen, dass die Stadt selbst gegen rechte Ideologien und Gewalt ist.

Heidi Seidel war als Gastronomin des Cafés Meyer auf dem Johannisplatz geschäftlich betroffen vom Open Air. „Ich hatte Anmeldungen für zwei Schulanfangsfeiern, von denen eine wegen des Festivals abgesagt wurde.“ Sie selbst sei politisch zwar offen für alle Richtungen, aber gegen Veranstaltungen dieser Art. „Es ist doch provokant, so etwas direkt in der Stadt durchzuführen, und in Limbach ist es nun mal so: Wo Linke sind, sind Rechte nicht weit.“

Übergriffe zwischen beiden Gruppen blieben am Samstag aus. „Es kamen nur zwei junge Männer mit Bierflaschen über den Platz, bei denen es Diskussionen mit den Veranstaltern gab“, sagte ein Polizeibeamter, der das Festival mit seinem Kollegen betreute. Die Jugendlichen seien nach kurzer Diskussion vom Platz verwiesen worden. Die Veranstaltung sei insgesamt ruhig verlaufen. „Bereits im Vorfeld hat es Kooperationsgespräche und Regelungen mit den Veranstaltern gegeben“, erzählte der Polizist.

Ein Rentner, der das Treiben am Rand beobachtete, sagte: „Mich stören die Jugendlichen überhaupt nicht. Ich kenne aber einige, gerade in meinem Alter, denen die mit den bunten Haaren und den zerrissenen Hosen ein Dorn im Auge sind. Letztlich ist das Ganze doch ein Zeichen für die Stadt, dass jungen Menschen hier zu wenig geboten wird.“

( Von Steffi Hofmann )

Quelle: Freie Presse am 21.08.2011

Impressionen von Stay Rebel

Das Video findet ihr unter:

http://tinypic.com/player.php?v=2zhnodj&s=7

Quelle: http://moritz-thielicke.de/

Jugend-Festival auf Johannisplatz

Limbach-Oberfrohna – Unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“ findet am Samstag das Festival „Stay Rebel“ (zu Deutsch „Bleib rebellisch“) statt. Dabei wird von 13 bis 20 Uhr auf dem Johannisplatz ein breites Programm alternativer Jugendkultur geboten. Unter anderem soll es Vorträge über die sächsische Asylpolitik geben. Der Film „Die Tragödie der Provinz“ von Maik Baumgärtner wird gezeigt. Darin geht es um neonazistische Strukturen im Vogtland. Außerdem werden Workshops unter anderem über Sexismus und dessen Folgen stattfinden. Den Höhepunkt des Bildungsteils bildet eine Podiumsdiskussion, bei der antifaschistisches Engagement in Sachsens Kleinstädten diskutiert wird. Zur musikalischen Unterhaltung treten die Bands Attic Sounds, Gone For Broke, Meniak und Berlinska dróha auf. Abgerundet wird das Bühnenprogramm von einer Feuershow gegen Ende der Veranstaltung. Den ganzen Tag gibt es eine Kinderecke. Der Eintritt ist frei. (mathe)

Quelle: Freie Presse 19.08.2011

Glasflaschen- und Springerstiefelverbot

Bei dem Stay Rebel in Limbach-Oberfrohna wird es wie letztes Jahr für alle Teilnehmer_innen ein Glasflaschen- und Springerstiefelverbot geben.