Friedlicher Protest als Zeichengegen rechtes Denken und Gewalt

Themen wie rechte Gewalt und Prävention standen im Mittelpunkt der Veranstaltung Stay Rebel auf dem Johannisplatz


Beim Stay-Rebel-Festival auf dem Johannisplatz gestalteten Jugendliche Bilder und Anstecker.

Foto: Wiegand Sturm

Limbach-Oberfrohna. Der Johannisplatz, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat: eine große Bühne mit Musik, zwei Zelte für Filmvorführungen und Informationsstände – dazwischen etwa 120 Jugendliche, die tanzen, diskutieren, basteln oder einfach die Sonne genießen. „Wir haben uns mehr erhofft“, resümiert Daniel Drescher von der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, die das Festival Stay Rebel (zu deutsch: bleib rebellisch) organisiert hat. „Gerade die neutralen Jugendlichen aus Limbach haben wir vermisst“, sagt er. Fast ein halbes Jahr Vorbereitungszeit bedurfte das Freiluft-Spektakel am Samstagnachmittag. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen rechte Ideologien und für mehr Toleranz setzen“, sagte Moritz Thielicke, Stadtrat der Fraktion der Linken.

Damit dieses Zeichen nicht übersehen werden konnte, wurde als Austragungsort der Johannisplatz, das Zentrum der 25.000-Einwohner Stadt, gewählt. „Nach den Vorfällen der letzten Monate haben wir einen Platz gesucht, der Kundgebungscharakter besitzt und auf dem man uns nicht übersehen kann“, sagt Drescher. Das Festival wurde von der Versammlungsbehörde des Landkreises Zwickau als politische Veranstaltung genehmigt.

Die Friedlichkeit sollte durch Auflagen an die Veranstalter gesichert werden. „Hochprozentiger Alkohol, das Mitführen von Glasflaschen und das Tragen von Springerstiefeln waren untersagt“, erklärt Drescher. Außerdem hätten nur Fahnen einer bestimmten Maximalgröße mit Stiel aus Weichholz mitgebracht werden dürfen. „Mit diesen Auflagen konnten wir leben“, sagt das Vereinsmitglied. „Das einzige, was aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt war, war die kurzfristige Schlussvorgabe der Stadt.“ Bereits im März habe man das Vorhaben angemeldet. Erst Ende Juli ist laut Drescher die Genehmigung, das Festival bis 22 Uhr offen zu lassen, zurückgezogen und auf 20 Uhr begrenzt worden – wegen möglicher Ruhestörung. „Wir hatten extra 22 Uhr eine Feuershow organisiert, die unter hellem Himmel zwei Stunden früher natürlich weniger effektiv ist“, so Drescher.

Für André Löschner von der Opferberatung aus Chemnitz ist Limbach ein Ort, der eine Beispiel-Rolle für Formen des Extremismus einnimmt. „Wir verfolgen seit drei Jahren die Geschehnisse in der Stadt“, so Löschner, „die jungen Leute hier haben gute Ideen, die aber oft von vornherein mit linkem Gedankengut in Verbindung gebracht werden und dadurch kein Gehör finden.“

Manuela Weiß vom Bunten Bürgerforum sieht den Ursprung rechter Gewalt aus zwei Richtungen: „Zum einen wird den jungen Menschen in der Stadt zu wenig geboten und sie langweilen sich. Zum anderen haben oder nehmen sich Eltern immer weniger Zeit, mit ihren Kindern über die Ausmaße der rechten Problematik zu sprechen, Symbole zu deuten und Hintergründe zu beleuchten. Es ist gefährlich, wenn sich Teenager versuchen zu orientieren, aber im Elternhaus keine Aufklärung erfahren.“ Manuela Weiß wünscht sich, dass das Stay-Rebel-Festival im nächsten Jahr von einem Mitglied der Stadtverwaltung eröffnet wird, um deutlich zu machen, dass die Stadt selbst gegen rechte Ideologien und Gewalt ist.

Heidi Seidel war als Gastronomin des Cafés Meyer auf dem Johannisplatz geschäftlich betroffen vom Open Air. „Ich hatte Anmeldungen für zwei Schulanfangsfeiern, von denen eine wegen des Festivals abgesagt wurde.“ Sie selbst sei politisch zwar offen für alle Richtungen, aber gegen Veranstaltungen dieser Art. „Es ist doch provokant, so etwas direkt in der Stadt durchzuführen, und in Limbach ist es nun mal so: Wo Linke sind, sind Rechte nicht weit.“

Übergriffe zwischen beiden Gruppen blieben am Samstag aus. „Es kamen nur zwei junge Männer mit Bierflaschen über den Platz, bei denen es Diskussionen mit den Veranstaltern gab“, sagte ein Polizeibeamter, der das Festival mit seinem Kollegen betreute. Die Jugendlichen seien nach kurzer Diskussion vom Platz verwiesen worden. Die Veranstaltung sei insgesamt ruhig verlaufen. „Bereits im Vorfeld hat es Kooperationsgespräche und Regelungen mit den Veranstaltern gegeben“, erzählte der Polizist.

Ein Rentner, der das Treiben am Rand beobachtete, sagte: „Mich stören die Jugendlichen überhaupt nicht. Ich kenne aber einige, gerade in meinem Alter, denen die mit den bunten Haaren und den zerrissenen Hosen ein Dorn im Auge sind. Letztlich ist das Ganze doch ein Zeichen für die Stadt, dass jungen Menschen hier zu wenig geboten wird.“

( Von Steffi Hofmann )

Quelle: Freie Presse am 21.08.2011