Archiv für Juli 2012

Friedlicher Protest gegen Neonazis in Limbach

Aussteiger aus der rechten Szene bewertet Festival Stay Rebel als Erfolg

VON STEFFI HOFMANN

LlMBACH-OBERFROHNA – Rund 100 Jugendliche haben sich am Samstag auf dem Johannisplatz eingefunden, um beim Festival Stay Rebel („bleib rebellisch“) ein Zeichen gegen menschenverachtende Ideologien zu setzen. Die Aktion der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna lockte überwiegend Anhänger aus der alternativen Szene an. Vier Bands, darunter die Düsseldorfer Antilopen-Gang, sorgten auf der Bühne für Stimmung. „Wir kannten die Stadt Limbach-Oberfrohna vorher nicht, haben aber von den Problemen mit Rechtsradikalen gehört“, sagte Sänger Koljah. Während der Konzerte erschien eine Gruppe von Neonazis auf der anderen Straßenseite. Zu Ausschreitungen zwischen den alternativen Jugendlichen und denen der rechten Szene ist es aber laut Polizei nicht gekommen. Dass das nicht immer so ist, erklärte Michael Werner*. Er war bis 2011 selbst Mitglied der Neonazi-
szene in Limbach-Oberfrohna. „Ich bin da so rein gerutscht“, sagte der 16-Jährige heute. Weil er dazugehören wollte, habe er am Anfang gar nicht realisiert, dass er sich in der rechten Szene befand. „Erst als es losging, dass die Neonazis Feindbilder gegen Ausländer und Linke aufgebaut haben, Straftaten begingen, dadurch Stress mit der Polizei bekamen und die Aggressionen wuchsen, habe ich gemerkt, dass ich da raus muss“, erzählte er. Seit dem Ausstieg vor knapp einem Jahr bekomme der junge Mann Morddrohungen, werde teilweise bis nach Hause verfolgt, erzählte er. Durch Freunde sei er in die ah:ernative Szene gekommen und will sich aktiv gegen nazistische Tendenzen und menschenverachtende Ideologien einsetzen. „Die Rechten sind immer noch aggressiv. Sie wollen provozieren wo sie nur können.“ Deshalb sein sie beim Festival aufgetaucht. Aber wenn man sich ernsthaft mit ihnen unterhalten wolle, gebe es keine Basis. Das niedrige Bildungsniveau der meisten lasse erst gar keine Diskussion zustande kommen, ergänzte er. Neben den Konzerten wurden beim Stay Rebel Vorträge zum Demokratiebegriff und zu rechtsoffener Esoterik gehalten. Außerdem gab es einen Workshop zum Rassismus. „Ich finde das Festival gut und würde mir viel öfter solche Veranstaltungen wünschen“, sagte Besucherin Gabriele Wölfig. „Die jungen Leute haben ein wunderbares Essen zubereitet. Es gab keine Betrunkenen oder Schlägereien, die Musik war toll“, fügte die 60-Jährige hinzu.

* NAME von der Redaktion geändert.

Quelle: Freie Presse am 9.7.2012

Blick: Rebellisch bleiben gegen rechte Ideologen

Aktion Etwa: 100 Jugendliche trafen sich am Samstag beim Stay Rebel Festival

Limbach-Oberfrohna. Auf einer großen Bühne auf dem Johannisplatz ertönte laute Musik. Davor tummelten sich etwa 100 Jugendliche, um beim Stay Rebel Festival (zu deutsch: Bleib rebellisch) ein Zeichen gegen menschenverachtende Ideologien zu setzen. Die Aktion der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna lockte am Samstag überwiegend Anhänger aus der alternativen Szene an. Vier Bands, darunter die Düsseldorfer ,,Antilopen Gang“, sorgten auf der Bühne für Stimmung. „Wir kannten die Stadt
Limbach-Oberfrohna vorher nicht, haben aber von den Problemen mit Rechtsradikalen gehört“, sagte Sänger Koljah. Während der Konzerte erschien eine Gruppe von Neonazis auf der anderen Straßenseite. „Wir sind schon öfter bei Festen dieser Art aufgetreten, aber dass Rechte das Ganze aus der Distanz beobachten, so was haben wir noch nie erlebt“, sagte Antilopen Gang-Mitglied NMZS.

Jörn Wunderlich, Bundestagsmitglied der Partei die Linke, war einer der wenigen Erwachsenen, die beim Stay Rebel Festival anwesend waren. Er lobte die gute Organisation der Jugendlichen und wünscht sich solche Events öfter für seine Stadt. „Den meisten Limbaehern ist es egal, was hier passiert, ob es erneut Probleme zwischen Rechten und Linken gibt. Doch wir müssen gegen diese Gleichgültigkeit und gegen rechtes Gedankengut vorgehen“, sagte Wunderlich. Neben den Konzerten wurden Vorträge zum Demokratiebegriff und zu rechtsoffener Esoterik gehalten. Außerdem gab es einen Workshop zum Thema Rassismus. Daniel Drescher, Organisator von der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung, ist mit der Resonanz des Festivals zufrieden. ,,Auch wenn sich die Anzahl der Interessenten zum letzten Jahr nicht erhöht hat, haben wir wieder ein Zeichen gesetzt“, sagte er. . hfn


Jugendliche aus der alternativen Szene trafen sich am Samstag zum Stay Rebel Festival.

Quelle: Blick am 8.7.