Friedlicher Protest gegen Neonazis in Limbach

Aussteiger aus der rechten Szene bewertet Festival Stay Rebel als Erfolg

VON STEFFI HOFMANN

LlMBACH-OBERFROHNA – Rund 100 Jugendliche haben sich am Samstag auf dem Johannisplatz eingefunden, um beim Festival Stay Rebel („bleib rebellisch“) ein Zeichen gegen menschenverachtende Ideologien zu setzen. Die Aktion der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna lockte überwiegend Anhänger aus der alternativen Szene an. Vier Bands, darunter die Düsseldorfer Antilopen-Gang, sorgten auf der Bühne für Stimmung. „Wir kannten die Stadt Limbach-Oberfrohna vorher nicht, haben aber von den Problemen mit Rechtsradikalen gehört“, sagte Sänger Koljah. Während der Konzerte erschien eine Gruppe von Neonazis auf der anderen Straßenseite. Zu Ausschreitungen zwischen den alternativen Jugendlichen und denen der rechten Szene ist es aber laut Polizei nicht gekommen. Dass das nicht immer so ist, erklärte Michael Werner*. Er war bis 2011 selbst Mitglied der Neonazi-
szene in Limbach-Oberfrohna. „Ich bin da so rein gerutscht“, sagte der 16-Jährige heute. Weil er dazugehören wollte, habe er am Anfang gar nicht realisiert, dass er sich in der rechten Szene befand. „Erst als es losging, dass die Neonazis Feindbilder gegen Ausländer und Linke aufgebaut haben, Straftaten begingen, dadurch Stress mit der Polizei bekamen und die Aggressionen wuchsen, habe ich gemerkt, dass ich da raus muss“, erzählte er. Seit dem Ausstieg vor knapp einem Jahr bekomme der junge Mann Morddrohungen, werde teilweise bis nach Hause verfolgt, erzählte er. Durch Freunde sei er in die ah:ernative Szene gekommen und will sich aktiv gegen nazistische Tendenzen und menschenverachtende Ideologien einsetzen. „Die Rechten sind immer noch aggressiv. Sie wollen provozieren wo sie nur können.“ Deshalb sein sie beim Festival aufgetaucht. Aber wenn man sich ernsthaft mit ihnen unterhalten wolle, gebe es keine Basis. Das niedrige Bildungsniveau der meisten lasse erst gar keine Diskussion zustande kommen, ergänzte er. Neben den Konzerten wurden beim Stay Rebel Vorträge zum Demokratiebegriff und zu rechtsoffener Esoterik gehalten. Außerdem gab es einen Workshop zum Rassismus. „Ich finde das Festival gut und würde mir viel öfter solche Veranstaltungen wünschen“, sagte Besucherin Gabriele Wölfig. „Die jungen Leute haben ein wunderbares Essen zubereitet. Es gab keine Betrunkenen oder Schlägereien, die Musik war toll“, fügte die 60-Jährige hinzu.

* NAME von der Redaktion geändert.

Quelle: Freie Presse am 9.7.2012