zu 2011

Friedlicher Protest als Zeichengegen rechtes Denken und Gewalt

Themen wie rechte Gewalt und Prävention standen im Mittelpunkt der Veranstaltung Stay Rebel auf dem Johannisplatz


Beim Stay-Rebel-Festival auf dem Johannisplatz gestalteten Jugendliche Bilder und Anstecker.

Foto: Wiegand Sturm

Limbach-Oberfrohna. Der Johannisplatz, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat: eine große Bühne mit Musik, zwei Zelte für Filmvorführungen und Informationsstände – dazwischen etwa 120 Jugendliche, die tanzen, diskutieren, basteln oder einfach die Sonne genießen. „Wir haben uns mehr erhofft“, resümiert Daniel Drescher von der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, die das Festival Stay Rebel (zu deutsch: bleib rebellisch) organisiert hat. „Gerade die neutralen Jugendlichen aus Limbach haben wir vermisst“, sagt er. Fast ein halbes Jahr Vorbereitungszeit bedurfte das Freiluft-Spektakel am Samstagnachmittag. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen rechte Ideologien und für mehr Toleranz setzen“, sagte Moritz Thielicke, Stadtrat der Fraktion der Linken.

Damit dieses Zeichen nicht übersehen werden konnte, wurde als Austragungsort der Johannisplatz, das Zentrum der 25.000-Einwohner Stadt, gewählt. „Nach den Vorfällen der letzten Monate haben wir einen Platz gesucht, der Kundgebungscharakter besitzt und auf dem man uns nicht übersehen kann“, sagt Drescher. Das Festival wurde von der Versammlungsbehörde des Landkreises Zwickau als politische Veranstaltung genehmigt.

Die Friedlichkeit sollte durch Auflagen an die Veranstalter gesichert werden. „Hochprozentiger Alkohol, das Mitführen von Glasflaschen und das Tragen von Springerstiefeln waren untersagt“, erklärt Drescher. Außerdem hätten nur Fahnen einer bestimmten Maximalgröße mit Stiel aus Weichholz mitgebracht werden dürfen. „Mit diesen Auflagen konnten wir leben“, sagt das Vereinsmitglied. „Das einzige, was aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt war, war die kurzfristige Schlussvorgabe der Stadt.“ Bereits im März habe man das Vorhaben angemeldet. Erst Ende Juli ist laut Drescher die Genehmigung, das Festival bis 22 Uhr offen zu lassen, zurückgezogen und auf 20 Uhr begrenzt worden – wegen möglicher Ruhestörung. „Wir hatten extra 22 Uhr eine Feuershow organisiert, die unter hellem Himmel zwei Stunden früher natürlich weniger effektiv ist“, so Drescher.

Für André Löschner von der Opferberatung aus Chemnitz ist Limbach ein Ort, der eine Beispiel-Rolle für Formen des Extremismus einnimmt. „Wir verfolgen seit drei Jahren die Geschehnisse in der Stadt“, so Löschner, „die jungen Leute hier haben gute Ideen, die aber oft von vornherein mit linkem Gedankengut in Verbindung gebracht werden und dadurch kein Gehör finden.“

Manuela Weiß vom Bunten Bürgerforum sieht den Ursprung rechter Gewalt aus zwei Richtungen: „Zum einen wird den jungen Menschen in der Stadt zu wenig geboten und sie langweilen sich. Zum anderen haben oder nehmen sich Eltern immer weniger Zeit, mit ihren Kindern über die Ausmaße der rechten Problematik zu sprechen, Symbole zu deuten und Hintergründe zu beleuchten. Es ist gefährlich, wenn sich Teenager versuchen zu orientieren, aber im Elternhaus keine Aufklärung erfahren.“ Manuela Weiß wünscht sich, dass das Stay-Rebel-Festival im nächsten Jahr von einem Mitglied der Stadtverwaltung eröffnet wird, um deutlich zu machen, dass die Stadt selbst gegen rechte Ideologien und Gewalt ist.

Heidi Seidel war als Gastronomin des Cafés Meyer auf dem Johannisplatz geschäftlich betroffen vom Open Air. „Ich hatte Anmeldungen für zwei Schulanfangsfeiern, von denen eine wegen des Festivals abgesagt wurde.“ Sie selbst sei politisch zwar offen für alle Richtungen, aber gegen Veranstaltungen dieser Art. „Es ist doch provokant, so etwas direkt in der Stadt durchzuführen, und in Limbach ist es nun mal so: Wo Linke sind, sind Rechte nicht weit.“

Übergriffe zwischen beiden Gruppen blieben am Samstag aus. „Es kamen nur zwei junge Männer mit Bierflaschen über den Platz, bei denen es Diskussionen mit den Veranstaltern gab“, sagte ein Polizeibeamter, der das Festival mit seinem Kollegen betreute. Die Jugendlichen seien nach kurzer Diskussion vom Platz verwiesen worden. Die Veranstaltung sei insgesamt ruhig verlaufen. „Bereits im Vorfeld hat es Kooperationsgespräche und Regelungen mit den Veranstaltern gegeben“, erzählte der Polizist.

Ein Rentner, der das Treiben am Rand beobachtete, sagte: „Mich stören die Jugendlichen überhaupt nicht. Ich kenne aber einige, gerade in meinem Alter, denen die mit den bunten Haaren und den zerrissenen Hosen ein Dorn im Auge sind. Letztlich ist das Ganze doch ein Zeichen für die Stadt, dass jungen Menschen hier zu wenig geboten wird.“

( Von Steffi Hofmann )

Quelle: Freie Presse am 21.08.2011

Jugend-Festival auf Johannisplatz

Limbach-Oberfrohna – Unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“ findet am Samstag das Festival „Stay Rebel“ (zu Deutsch „Bleib rebellisch“) statt. Dabei wird von 13 bis 20 Uhr auf dem Johannisplatz ein breites Programm alternativer Jugendkultur geboten. Unter anderem soll es Vorträge über die sächsische Asylpolitik geben. Der Film „Die Tragödie der Provinz“ von Maik Baumgärtner wird gezeigt. Darin geht es um neonazistische Strukturen im Vogtland. Außerdem werden Workshops unter anderem über Sexismus und dessen Folgen stattfinden. Den Höhepunkt des Bildungsteils bildet eine Podiumsdiskussion, bei der antifaschistisches Engagement in Sachsens Kleinstädten diskutiert wird. Zur musikalischen Unterhaltung treten die Bands Attic Sounds, Gone For Broke, Meniak und Berlinska dróha auf. Abgerundet wird das Bühnenprogramm von einer Feuershow gegen Ende der Veranstaltung. Den ganzen Tag gibt es eine Kinderecke. Der Eintritt ist frei. (mathe)

Quelle: Freie Presse 19.08.2011

Stay Rebel in Limbach-Oberfrohna

„Von der Stadt bekommen wir keinerlei Unterstützung – es ist auch keine zu erwarten.“ Trotz dieser ernüchternden Aussage organisiert die „Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“ auch in diesem Jahr das „Stay Rebel“ – mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung.

Limbach-Oberfrohna, eine Kleinstadt im südwestlichen Sachsen, gilt seit Jahren als Hochburg der Neonazis. Hier veranstaltet die NPD 2011 zum wiederholten Male ihre „große Jahresauftaktveranstaltung“ und sitzt auch im Stadtrat. Auch neonazistische Straftaten sind an der Tagesordnung: Pöbeleien, Drohungen und gewaltsame Übergriffe auf alternative Jugendliche sowie auf Migrantinnen und Migranten. Auch das Vereinshaus engagierter Jugendlicher wird wiederholt zum Angriffsziel. Mehrfach werden Scheiben eingeschlagen, Hakenkreuze an die Wände geschmiert und schließlich, im November vergangenen Jahres, das Haus in Brand gesteckt. Die lokale und auch landesweite Politik allerdings verkennt das Problem. Sie sucht es bei den jungen Engagierten – und macht die Opfer zu den Tätern. Einmal beispielsweise wollten die Jugendlichen an Opfer rechter Gewalt erinnern und malten Umrisse von Menschen mit Kreide auf die Straße. Die Stadt holte die Feuerwehr, um die Kreidestriche wegzuspülen und zeigte die Engagierten wegen Sachbeschädigung an. Der nächste Regen hätte es wohl nicht getan.

Engagieren statt wegschauen

Die Situation in Limbach-Oberfrohna ist also besorgniserregend. Im Oktober 2008 aber gründeten diese engagierten Jugendlichen die „Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“, die sich hohe Ziele gesteckt hat. Dazu gehören unter anderem „ein friedliches Miteinander zu fördern“, „fremdenfeindliche, sexistische, gewaltverherrlichende und menschenverachtende Strukturen in der Gesellschaft zu bekämpfen“ und „insbesondere jungen Menschen bei ihrer politischen Meinungsbildung zu unterstützen und ihnen demokratische Werte zu vermitteln“. Ganz in diesem Sinne planen die Vereinsmitglieder nicht nur Vorträge, Diskussionsrunden und Demonstrationen, um so die demokratische Kultur zu stärken, sondern auch das sogenannte „Stay Rebel Festival“. Unter dem programmatischen Namen „Stay Rebel“ findet seit 2007 jährlich in einem Park in Chemnitz, seit 2009 auch in anderen Städten in den neuen Bundesländern und 2010 erstmals auch in Limbach-Oberfrohna, dieses alternative Festival statt. Die Vereinsmitglieder, die zumeist Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende sind, wollen die Bürgerinnen und Bürger von Limbach-Oberfrohna auf die Probleme ihrer Stadt aufmerksam machen und zeigen, dass gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie vorgegangen werden muss. Dafür wird unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“ ein vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt.

Das Festivalprogramm

Die Festivalbesucherinnen und -besucher erwartet auf einer Bühne ein abwechslungsreiches Musikprogramm, bei dem die angekündigten Bands Attic Sounds, Gone for Broke, Meniak und Berlinska dròha von Rock über Hardcore bis hin zum Folk für jeden Geschmack etwas bieten. Dazwischen wird es eine Podiumsdiskussion geben, um die Entwicklungen in Limbach-Oberfrohna zu thematisieren. An dieser werden sich Vertreterinnen und Vertreter vom Netzwerk Tolerantes Sachsen, vom Bürgerforum Limbach-Oberfrohna, von der RAA Sachsen und von der sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna beteiligen. Des Weiteren präsentieren verschiedene Organisationen und Bündnisse ihre Arbeit an Informationsständen. In Zelten rund um die Bühne werden Workshops zum Thema Sexismus, unter dem Titel „Was Superman und Barbie uns vorgeben“ vom Netzwerk für Demokratie und Courage Chemnitz und zur Kritik am Extremismusbegriff, unter dem Titel „Das Hufeisen an den Nagel hängen“ von der roten Hochschulgruppe Chemnitz angeboten. Auch Vorträge zu verschiedenen Themen, unter anderem zur sächsischen Asylpolitik und die Vorführung des Films „Tragödie der Provinz“ stehen auf dem Programm. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt die Durchführung der geplanten Workshops. Für das leibliche Wohl wird in der KÜFA (Küche für alle) gesorgt, an die Kinder wird in einer Bastelecke, bereitgestellt vom Alternativen Jugendzentrum Chemnitz, gedacht und Jugendlichen wird eine Sprühwand zur Verfügung gestellt. Zum Abschluss des Festivals wird wie im letzten Jahr eine Feuershow geben.

Die Organisation

Das Festivalprogramm klingt nicht nur vielversprechend, sondern auch nach viel Organisations- und Zeitaufwand. Daniel Drescher, Mitglied der sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna, sagt dazu: „Die Organisation war dieses Jahr auf jeden Fall leichter. Weitergehend profitieren wir natürlich aus den geknüpften Kontakten vom letzten Jahr. Wir wissen dieses Jahr auch, auf was wir achten müssen.“ 2010 wurden der Bildungsvereinigung bei der Organisation von Seiten der Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna wiederholt Steine in den Weg gelegt. Mehrfach wurde das Festival im Vorfeld verboten, zweimal musste es deshalb verschoben, die Planung jedes Mal von vorne begonnen und die Genehmigung letztlich mit juristischer Unterstützung erkämpft werden. Erfreulicherweise gab es in diesem Jahr nach Auskunft von Daniel Drescher „noch keine nennenswerten Hürden“. Die schriftliche Genehmigung liegt bereits vor, aber Ende Juli steht noch das Kooperationsgespräch mit der Versammlungsbehörde an. „Es wird sich zeigen ob da noch ein Rückschlag behördlicher Seite folgt – so wie wir es eigentlich in Limbach gewohnt sind. Aber bis jetzt sieht es gut aus.“, so Daniel Drescher weiter. Was die Teilnehmerzahl betrifft ist der Verein zuversichtlich. Mit einer Steigerung ist auf jeden Fall zu rechnen, denn durch das Festival im letzten Jahr hat sich der Bekanntheitsgrad erhöht. Es könnten zwischen 400 und 500 Interessierte der Einladung nach Limbach-Oberfrohna folgen. Seit der Gründung der sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna vor drei Jahren beweisen die engagierten Jugendlichen ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen – und das nicht nur gegenüber der örtlichen Neonaziszene, sondern auch gegenüber der Stadtverwaltung.

Das wichtigste noch mal zum Schluss: Das diesjährige Stay Rebel findet am 20. August 2011 auf dem Johannisplatz in Limbach-Oberfrohna zwischen 13 und 22 Uhr statt. Wie im letzten Jahr ist der Eintritt frei. Also sei dabei und bleib rebellisch!

Von Katharina Weile

Quelle: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/stay-rebel-in-limbach-oberfrohna/

zu 2010:

Zwei Aktionen haben ihr Ziel erreicht

Familientag mit Bauernmarkt und Festival „Stay Rebel“ stellen das jeweilige Publikum in Limbach-Oberfrohna offenbar zufrieden

Von Galina Pönitz

Limbach-Oberfrohna. Unterschiedlicher in Publikum und Aussage hätten die beiden Veranstaltungen, die am Sonnabend zeitgleich in Limbach-Oberfrohna stattfanden, nicht sein können. Das Festival „Stay Rebel“ („Bleib rebellisch“) zog auf dem Markt die Leute an, die gemeinhin in Limbach-Oberfrohna schon durch Kleidung und Haarfarbe oder -schnitt auffallen. Dagegen gehörte der Familientag mit Bauernmarkt auf Johannisplatz und Helenenstraße den Menschen, die den Großteil der Einwohner der Stadt repräsentieren. Zwei so unterschiedliche Veranstaltungen nebeneinander? Dass das geht, hat Limbach-Oberfrohna bewiesen.

Die wohl einzige Gemeinsamkeit von „Stay Rebel“ und Familientag war, dass das jeweilige Publikum genau das fand, was es erwartet hat. Die Gegensätze fallen schon schwerer ins Gewicht. Beim Familientag stand Unterhaltung für Besucher jeden Alters im Mittelpunkt. Zahlreiche Vereine und Institutionen präsentierten sich, so unter anderem die Fördervereine einer Kindertagesstätte und des Tierparks.

Einige Händler hatten nicht nur ihre Läden geöffnet, sondern sich für den Aktionstag allerhand einfallen lassen. Sportliche Betätigungsmöglichkeiten, Modenschauen und Tanzvorführungen gehörten ebenso zum Programm, wie Straßenmusiker, die ihr Publikum mit Akkordeon und Waschbrett unterhielten. Dazu gab es unzählige Spiel- und Bastelmöglichkeiten für Kinder. Zeitweise drängte sich das Publikum vor allem an den Ständen so dicht, dass kaum ein Durchkommen war. Im Hinblick auf die Besucherzahlen erwies es sich also als günstig, den Familientag mit dem Bauernmarkt zu verbinden.
Ganz anders zur gleichen Zeit wenige 100 Meter weiter auf dem Markt. Dort transportierte das Festival eine klare politische Position gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Aufschriften wie „Schöner leben ohne Naziläden“ und „Nazis ausgrenzen“, die sich auf Plakaten und teilweise sogar auf der Bekleidung der Besucher fanden, ließen keinen Zweifel am Ziel der Aktion. Das formulierte Daniel Drescher vom Sozialen und Politischen Bildungsverein Limbach-Oberfrohna so: „Wir wollen alternative Kultur in der Stadt etablieren. Und wir wollen thematisieren, dass die Stadt ein Problem mit braunem Gedankengut hat, wenn manche das auch nicht wahrhaben wollen, und dass es hier zu wenige Angebote für Jugendliche gibt. Außerdem geht es uns darum, auf unser Projekt ,Doro 40′ hinzuweisen, das wir zu einem soziokulturellen Zentrum entwickeln wollen.“
Auch die Sänger auf der Bühne bezogen mit ihren Texten einen klaren Standpunkt, so zum Beispiel der Liedermacher Fidel Kunterbunt, der von den Opfern rechter Gewalt sang. Auch die Bands Fallobstfresser aus Burgstädt, Fraktion 42 aus Chemnitz sowie Nic Knatterton und Johanna aus Aachen widmeten sich in unterschiedlichen Musikrichtungen dem Thema.
Unterstützt worden war „Stay Rebel“ unter anderem vom „Bunten Bürgerforum für Demokratie“ und vom Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen. Bei der Organisation hatten die Veranstalter,
eine Gruppe junger Leute, zu der auch Mitglieder des Sozialen und Politischen Bildungsvereins Limbach-Oberfrohna gehören, einige Hürden zu nehmen. Zwei frühere Termine waren nicht genehmigt worden. Erst das Einschalten eines Anwaltes führte dazu, dass das Landratsamt die Veranstaltung genehmigte.

Die verlief aus übereinstimmender Sicht der Organisatoren und der Polizei „ordnungsgemäß“. Moritz Thielicke, Vorsitzender des Sozialen und Politischen Bildungsvereins, berichtete von „einer Störung“ durch eine Gruppe junger Leute am Ende des Festivals. „Die Polizei hat sie aber beruhigt und so für Ordnung gesorgt“, sagte Thielicke gestern. Auch für Jens Paßlack vom Kulturbüro Sachsen lief „alles nach Programm“.

Polizeisprecher Frank Fischer bestätigte gestern, dass die Beamten „28 jugendlichen Störern“ Platzverweise erteilt haben, denen „sie auch nachkamen“. Beim Aufnehmen der Personalien dieser jungen Leute habe ein 16-Jähriger die Polizei behindert. „Auch ihm wurde ein Platzverweis erteilt, dem er allerdings nicht nachkam“, sagte Fischer. Deshalb sei der junge Mann „vorübergehend in Polizeigewahrsam“ genommen worden.

Quelle: Freie Presse 20.09.2010

Alternatives Festival erstmals in Limbach-Oberfrohna

„Stay Rebel“ am Sonnabend auf dem Marktplatz – Zur gleichen Zeit Familientag am Johannisplatz – Kulturbüro wertet Genehmigung als Erfolg

Limbach-Oberfrohna. Das Festival „Stay Rebel“ („Bleib rebellisch“), findet am Sonnabend auf dem Marktplatz in Limbach-Oberfrohna statt. Weil die Stadt zur gleichen Zeit zum Familientag rund um den Johannisplatz einlädt, war das Festival aus Sicherheitsgründen mehrfach verboten worden, sagte am Dienstag Jens Paßlack vom Kulturbüro Sachsen.

„Die Organisatoren haben die Genehmigung mit einem Anwalt durchgesetzt. Wir sehen das als großen Erfolg im Kampf gegen die Kriminalisierung lokaler Initiativen, die sich gegen neonazistische Strukturen und Rassismus einsetzen“, so Paßlack. Das Festival richtet sich gegen Neonazismus, Rassismus sowie Antisemitismus und setzt sich für eine alternative Jugendkultur ein.

Paßlack bezeichnete die Genehmigung und die politische Entwicklung in Limbach-Oberfrohna als „Moleküle der Öffnung“. Es sei schon ein großer Erfolg, wenn sich zwei Bürgerbewegungen um Rechtsextremismus kümmern. So hatte sich unter Federführung der CDU das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegründet. Aus einer Elterninitiative war gemeinsam mit der Diakonie das Bunte Bürgerforum für Demokratie entstanden. Erstmals hatte Oberbürgermeister Hans-Christian Rickauer (CDU) eine Extremismus-Debatte moderiert und sich gewünscht, dass die beiden Bürgerbündnisse zusammenarbeiten würden. „Doch leider ist es dabei geblieben“, sagte Christoph Lordick vom Bunten Bürgerforum. Doch seine Initiative dürfe sich bereits in staatlichen Räumen, so im Esche-Museum, treffen. Der nächste Treff sei am 27. September.

Jugendliche vom Verein „Schwarzer Peter“, der in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Übergriffen war, wollen mit diesem Festival auf die Probleme in Limbach-Oberfrohna aufmerksam machen, die es auch heute noch gibt, sagte am Dienstag Manuela Weiß vom Bunten Bürgerforum. So sei ihr Mann erst kürzlich von Jugendlichen angepöbelt worden, weil er der Vater von „linken Zecken“ sei. Ihre 18-jährige Tochter hole sie abends weiterhin von Veranstaltungen ab, weil sie befürchtet, dass sie überfallen werde.

„Deshalb ist es wichtig, dass wir in unserer Arbeit weitermachen, damit die Akzeptanz auch in der Bevölkerung zunimmt“, meinte Thomas Doyé (Bündnis 90/Die Grünen) vom Bunten Bürgerforum. Das Forum zähle mittlerweile rund 25 Mitstreiter. Angefangen hatte es mit fünf Familien, die ihren Kindern im Verein „Schwarzer Peter“ den Rücken stärken wollten.

Mittlerweile sind Demokratie- und Extremismus-Debatten angeschoben. So hat die Initiative Tolerantes Sachsen zu einer Tagung am 19. und 20. November nach Limbach-Oberfrohna eingeladen. In der Woche zuvor finden Projekttage zum Thema Extremismus in der Pestalozzi-Mittelschule statt, wie Thomas Doyé mitteilte. Dabei würden die Jugendlichen auch ins ehemalige Konzentrationslager nach Buchenwald fahren. Der Ex-Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, und der frühere sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) wollen am 20. November ebenfalls in Limbach-Oberfrohna für Demokratie werben.

Von Bettina Junge

Quelle: Freie Presse 14.09.2010

Limbach-Oberfrohna: „Stay rebel“ setzt sich durch gegen die Stadt und ein gegen Rechtsextremismus

Am Samstag, den 18. September lädt ein Jugendbündnis aus Limbach-Oberfrohna (Sachsen) zum alternativen Festival „Stay Rebel“ ein. Engagement, dass in der Stadtverwaltung der 18.000-Einwohner-Stadt wenig erwünscht ist: Das Festival war im Vorfeld mehrfach verboten worden, doch die Organisatoren konnten mit juristischer Unterstützung eine Genehmigung durchsetzen.

Von Nevruz Karadas

Mit einer Mischung aus politischen Vorträgen, Informationsständen, Livemusik, Redebeiträgen und künstlerischen Darbietungen richtet sich das Festival „Stay Rebel“ gegen Neonazismus, Rassismus sowie Antisemitismus und setzt sich für eine alternative Jugendkultur ein. Geplant sind mehrere Vorträge zu verschieden Themen, wie zur Entwicklung von rechtsextremen Übergriffen in der Region und zur Frage „Was tun gegen Nazis?“

Buntes Programm für ein weites BesucherInnen-Spektrum

Auf dem Festival werden unter anderem Fidl Kunderbunt (Liedermacher), Fallobstfresser (Hardcore-Punk), Fraktion42 (Drum`n`Bass) und Nic Knatterton + Johanna (Hip-Hop) zu sehen sein. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt. Die Volxküche möchte mit seinem Angebot zeigen, dass eine vegane Ernährung auch gesund und lecker sein kann. Eine Kinderecke mit Betreuung sorgt für kleine BesucherInnen. Abschließend ist eine Feuershow geplant, die die gesamte Veranstaltung abrunden soll.

Ziel rechtsextremer Gewalt ist immer wieder eine Gruppe alternativer Jugendlicher

Die Opferberatungsstelle Sachsen (RAA) wird auch vor Ort sein und an einem Infostand über rechtsextreme Gewalt aufklären. Im Gespräch mit www.netz-gegen-nazis.de lobte Juliane Wetendorf, Mitarbeiterin der RAA Sachsen, das lange Engagement und Durchsetzungsvermögen der alternativen Jugendgruppierung „Soziale und Politische Bildungsvereinigung e.V.“, deren Räumlichkeiten in der Stadt nach wie vor ein beliebtes Ziel neonazistischer Anschläge sind.

2008 hatten die Jugendlichen in der Innenstadt Zimmer gemietet, um unter anderem Jugendliche über Rechtsextremismus aufzuklären. Nachdem dort die Scheiben wiederholt eingeschlagen worden waren, kündigte der Vermieter den Vertrag. Nationalsozialistische Parolen wie „Heil Hitler“ und Hakenkreuze auf den sachbeschädigten Gegenständen offenbarten den rechtsextremen Hintergrund der Übergriffe. „Das Sichtbarwerden einer Gegenkultur provoziert bei Rechtsextremen Beschimpfungen, Drohungen und brutale Angriffe“, so die Einschätzung von Wetendorf. Mittlerweile konnten sich die alternativen Jugendlichen ein Haus kaufen.

Doch auch dort werden sie immer wieder von Neonazis heimgesucht. Erst im Juni dieses Jahres wurde ein alternativer Jugendlicher von fünf Neonazis mit einer Bierflasche angegriffen und brutal niedergeschlagen. Das Opfer wurde ambulant behandelt, wobei Glassplitter von seinem Kopf entfernt werden mussten und eine Platzwunde festgestellt wurde. „Die Stadt geht nicht hart genug gegen Rechtsextremismus vor, so dass wir immer wieder Pöbeleien und Übergriffe über uns ergehen lassen müssen“, so einer der engagierten Jugendlichen gegenüber www.netz-gegen-nazis.de.

Bündnisprobleme

Überregionale Schlagzeilen machte die Stadt Limbach-Oberfrohna im März dieses Jahres, als die Stadt ein „Bürgerbündnis für Demokratie und gegen Extremismus“ ins Leben rufen wollte. Zur Gründungsveranstaltung kam auch NPD-Stadtrat Thorsten Schneider. CDU- und FDP-Stadträte hatten nichts dagegen, mit Rechtsextremen gegen Rechtsextremismus vorgehen zu wollen. Schließlich beugten sich aber dem Protest gesellschaftlicher Institutionen wie der Kirche mit einer Gleichsetzung: Die NPD wurde zwar ausgeschlossen – in einem Atemzug aber auch die Vertreter der Linken. Engagierte SPD-Mitglieder wurde gar nicht erst ins Bündnis eingeladen, berichtete damals etwa die Frankfurter Rundschau oder der NPD-Blog. Die bei der Stadt „unerwünschten“ Engagierten sind inzwischen im „Bunten Bündnis Limbach für Zivilcourage – Bürgerforum für Demokratie“ aktiv.

Die Offiziellen der Stadt sind indifferent oder ignorieren das Problem

Die Stadtverwaltung ist seitdem weniger gesprächig, wenn es um die Aktivitäten von Neonazis in der Region geht. Es gebe kein rechtes Problem in der Stadt. Man dürfe die Gefährlichkeit auch nicht herbeireden, heißt es klassisch aus Stadtverwaltungskreisen. „Wenn BürgerInnen öffentlich gegen Rechtsextremismus vorgehen, wird das häufig als Netzbeschmutzerei diskreditiert“, so Christoph Lordieck, ein Sprecher des Bunten Bürgerforums für Demokratie, das im Februar dieses Jahres aus einer Elterninitiative entstanden ist. Das Bunte Bündnis möchte die Streitkultur in der Region beleben und damit die Alltagsdemokratie stärken. „Die örtlichen Akteure sprechen kaum miteinander, so dass eine gesunde demokratische Streitkultur nicht entstehen kann. Stattdessen stehen persönliche Angriffe auf der Tagesordnung“, so der Sprecher des Bürgerforums. Überdies kritisiert er, dass Landratsamt und Stadtverwaltung das Festival ausfallen lassen wollten, weil parallel das Limbacher Familienfest stattfindet. Der Lösungsvorschlag des Bunten Bündnisses sei hingegen gewesen, das Jugendfestival in das Familienfest zu integrieren. „Dies wäre auch ein generationsverbindender Ansatz gewesen“, so Lordieck.

Monika Lazar, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus der Grünen Bundestagsfraktion, zeigte sich erfreut darüber, dass Limbach-Oberfrohna mit dem Festival ein öffentliches Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gesetzt wird. Das Engagement des Vereins „Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“, schätze sie sehr. Lazar sagt: „Meine persönliche Hoffnung ist, dass durch die zahlreichen Angebote auf dem Fest viele Menschen dazu angeregt werden, in ihrem Umfeld Neonazis eine Absage zu erteilen und für ein buntes Limbach-Oberfrohna einzutreten.“

Ergänzung, 20.09.2010:

Nach Presseberichten hat das „Stay Rebel“-Festival, auch in Kombination mit dem wenige hundert Meter weiter stattfindenden Familientag der Stadt, gut funktioniert: Das Statement gegen Rechtsextremismus wurde von Bands und RednerInnen gesetzt. Am Abend kam es zu einem Zwischenfall mit laut Polizeiangaben „28 jugendlichen Störern“, die die Polizei aber des Platzes verwies

Quelle: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/limbach-oberfrohna-alternatives-festival-stay-rebel-rechtsextremismus-5414

Festival: „Stay Rebel“ in Limbach-Oberfrohna

18.09.2010,

Am Samstag dem 18.9.2010 lädt die Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. zum „Stay Rebel“ Festival auf dem Marktplatz in Limbach-Oberfrohna ein.

Mit einer Mischung aus politischen Vorträgen, Informationsständen, Livemusik, Redebeiträgen und künstlerischen Darbietungen wird ein alternatives unkommerzielles Angebot geschaffen, welches sich speziell gegen Sexismus, Homophobie, Faschismus, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus richtet, um eine demokratische und tolerante Gesellschaft zu fördern. Das „Stay Rebel“ ist eine Festivalreihe, mit der in den letzten Jahren Chemnitz und sein Umland kulturell und politisch belebt wird. Ein kulturelles Programm wird mit politischen Themen verknüpft, um die Jugendlichen zum Handeln – zum „stay rebel“ – zu bewegen.

In Limbach sind mehrere Vorträge zu verschieden Themen (Aufklärung über Naziaktivitäten und rechte Gewalt in der Region, Kritik an Nazis im Hardcore, zur Beantwortung der Frage „Was tun gegen Nazis?“ und „Festung Europa“ Einwanderungspolitik der EU) und eine Podiumsdiskussion auf der Bühne zum Thema „Warum alternative Jugendkultur?“ geplant. Weitergehend ist mehreren Gruppen und Organisationen die Möglichkeit geboten, sich mit einem Informationsstand zu präsentieren und mit diesen politische Inhalte zu vermitteln.

Für musikalische Bereicherung der politischen und gesellschaftskritischen Inhalte ist auch gesorgt: es treten Fidl Kunderbunt (Liedermacher), Fallobstfresser (Hardcore-Punk), Fraktion42 (Drum`n`Bass) und Nic Knatterton + Johanna (Hip-Hop) auf. Das Bühnenprogramm wird durch zahlreiche Redebeiträge zur aktuellen Situation in Limbach-Oberfrohna begleitet.

Weitergehend wurde sich um Essen und Trinken zu niedrigen Preisen gekümmert. Ein Kinderecke mit Betreuung für die Kleinen steht auch zur Verfügung. Abschließend ist eine Feuershow geplant, die die gesamte politische Veranstaltung abrunden soll.

Wir freuen uns über jede/jeden Besucherin/Besucher, die bei unserer Veranstaltung vorbeikommen.

Am Schluss wollen wir noch all unseren UnterstützerInnen danken, denn ohne diese wäre das „Stay Rebel“ niemals möglich geworden. Ein herzlichen Dank geht auch an all Jene, die bei der Kampagne „20€ für Kultur im Hinterland“ mitmachten.

Nähere Informationen auf: schwarzerpeter.blogsport.de

Quelle: http://www.zwickauer-demokratie-buendnis.de/veranstaltungsdetails.3/events/festival-stay-rebel-in-limbach-oberfrohna.html