„Wir sind gekommen, um zu bleiben!“

Am 18.9.2010 fand in der Einöde von Limbach-Oberfrohna ein historisches Event statt – das „Stay Rebel“. Dieses Festival richtete sich vor allem gegen Rassismus, Antisemitismus, Faschismus, Homophobie und Sexismus.

Erstmals gab es ein alternativ-kulturelles Festival mit politischen Inhalten mitten in der Innenstadt – auf dem Limbacher Marktplatz. Monatelange Vorbereitung, stundenlanger Auf- und Abbau und allerhand Verhandlungen mit der Stadtverwaltung und der Versammlungsbehörde, in der dauerhaften Unsicherheit ob es nun stattfinden könne oder nicht, war dazu nötig, um zu
diesem Ereignis zu kommen. Wir als Organisator_innen sind hoch zufrieden mit dem Ergebnis dieser Veranstaltung und hoffen dass dies auch bei allen Unterstützer_innen so ist. Endlich ist es gelungen, eine Art „Wende“ in Limbach-Oberfrohna hervorzurufen.

Wer nicht dabei war, hat so einiges verpasst: Ca. 300 Besucher_innen kamen am letzten Samstag auf dem Marktplatz, um das breite Angebot zu nutzen. Viele davon wurden durch die zahlreichen bunten Transparente angelockt.

Die Veranstaltung selbst lässt sich drei Bereiche einteilen: Zum einen das Bühnenprogramm, auf der anderen Seite der Bildungsteil sowie weitere Bildungsunterhaltungsangebote.

Bühnenprogramm

Die Veranstaltung fing mit einer kleinen Verzögerung um ca. 12:15 Uhr mit einem Redebeitrag des Veranstalters an. wenige Minuten später gab es einen Redebeitrag der Organisator_innen des „Stay Rebels“ selbst, mit dessen Beitrag die Notwendigkeit des Festivals besonders geschildert wurde.

Um 13:15 Uhr kam der Liedermacher „Fidl Kunterbunt“ aus Sachsen auf die Bühne. Ungefähr eine Stunde lang spielte er seine emotionalen und vor allem revolutionären Lieder. Mit seinen musikalischen Talenten spannte er Besucher_innen aller Couleur ein. Kurz darauf fing die Hardcore/Punk-Band Fallobstfresser aus Burgstädt an. Mit ihrem schnellen und aggressiven Sound begeisterten diese die vielen Hardcore- und Punk-Fans auf dem Platz. Mit ihren Ansage positionierten sich diese gegen die Grauzone hin zu rechten Texten in der eigenen Szene sowie für den Kampf gegen Rechts. Kaum ein Lied von dieser Band ist ohne politischen Inhalt.

Gegen 15:15 Uhr waren „der politisch visionäre und zügellos gesellschaftskritische Knatterton“ und Johanna aus Aachen auf der Bühne. Mit ihren stark kritischen Hip-Hop-Texten sprachen diese allerhand sonst gesellschaftlich verschwiegene Themen an.

Nach eineinhalb-stündiger Dröhnung von Freestyle-Raps und Oldschool-Beats in der Verbindung mit knallharten Rhymes kam ein Redebeitrag der Freien Arbeiter Union Südwestsachsen (FAU-SWS). Diese bekundeten in ihrer libertären Rede, dass menschenverachtende Ideologien in Limbach-Oberfrohna keinen Platz finden dürfen. Des Weiteren versprachen diese volle Solidarität mit allen Opfern rechter Gewalt in Limbach. Ihre Unterstützung für die Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V., welche den nächsten Redebeitrag halten sollte, sicherten sie ebenfalls zu.

Dieser ging auf die Geschichte des Vereins seit der Gründung ein. Dabei wurden die zahlreichen Probleme mit der regionalen Verwaltung sowie mit den rechten Strukturen in Limbach und Umgebung immer wieder betont. Genauso wurde das Projekt „Doro 40″ des Vereins näher erläutert.

Dieses Projekt und dessen Notwendigkeit fand kurz darauf in der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Warum alternative Jugendkultur“ Platz. Es diskutierten Vertreter_innen der Doro40, des Café Taktlos aus Glauchau, des AJZ Chemnitz, sowie des Bunten Bürgerforums für Demokratie. Moderiert wurde das Podium durch Jens Paßlack vom Mobilen Beratungsteam
Sachsens e.V. Kurz und knackig kamen die Diskussionspartner_innen auf ein Ergebnis: alternative Kultur drängt den rechten Mainstream zurück und schafft so eine tolerantere Gesellschaft. Vor allem Limbach-Oberfrohna hätte so etwas nötig. So wurde immer wieder betont, dass es wichtig sei, dass das Projekt „Doro40″ mit seiner eigentlichen Arbeit beginne.

Weiter hielt das Bunte Bürgerforum einen Redebeitrag über dessen Arbeit und deren Tätigkeit für die Stadt.

Ab 18:00 Uhr legte Nano42 von der antifaschistischen Drum ‚n‘ Bass Crew „Fraktion42“ aus Chemnitz auf, welche ab 19:30 Uhr von einer Feuershow untermalt wurde und damit für einen gelungenen Abschluss sorgte. Die ganze Zeit über blieben viele interessierte Bürger_innen der Stadt vor der Bühne stehen, um sich dieses Ereignis mit anzusehen.

Um 20:00 Uhr beendete der Anmelder diese gelungene Veranstaltung auf der Bühne und wies daraufhin, dass die Besucher_innen in größeren Gruppen oder per Auto die Heimreise aufsuchen sollen, da sich während der Veranstaltung mehrere rechte Gruppen in der Nähe der Veranstaltungsfläche gezeigt hatten.

Bildungsteil

So breit wie das Bühnenprogramm war auch der Bildungsteil auf dieser Veranstaltung.

14:30 begann der Vortrag mit dem Titel „Situationsbeschreibung“. Dabei wurde über „rassistische und rechtsmotivierte Straftaten in Limbach-Oberfrohna und Umgebung“ berichtet. Gehalten wurde der Vortrag, bei welchen 12 Interessierte Platz fanden, von einer Referentin der Opferberatung RAA Chemnitz. Gegen 15:30 Uhr wurde die Dokumentation „Festung Europa“ von KanalB vor 26 Personen gezeigt. In dieser Dokumentation wird die Unmenschlichkeit der Migrationspolitik der EU thematisiert. Es folgte eine kleine Diskussionsrunde. Die Dokumentation selbst gibt es bei http://www.KanalB.org/ kostenlos zum Download. 16:30 Uhr hielten Referent_innen des NDC aus Chemnitz vor 10 Personen einen Workshop zum Thema „Was tun gegen Nazis?“. Dabei wurden Handlungsmöglichkeiten gegen rechts erarbeitet und anschließend diskutiert. Zeitgleich startete der Vortrag „Nazis im Hardcore“ vor 12 Besucher_innen. Hierbei wurde die Geschichte des Hardcore, sowie die Unterwanderung dessen von Nazis inhaltlich dargelegt. Folgend kam eine Diskussionsrunde.

So zahlreich das Interesse für die Vortragszelte war, war es auch für Informationsstände. Präsentiert haben sich Antifagruppen, die FAU, der Karo e.V., das Bunte Bürgerforum für Demokratie, die Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V., die Kampagne „Kein Bock auf Nazis“, das Mobile Beratungsteam Sachsen, die Opferberatung RAA Chemnitz und die Diakonie Limbach-Oberfrohna. Zahlreiche Diskussionen, bei denen Meinungsverschiedenheiten und Flyer
ausgetauscht wurden, trugen zu einem politischen Bildungsprozess bei, der die gesamte Veranstaltung füllte.

Unterhaltungsangebote

Soweit so gut. Nebenbei gab es eine Kinderecke, welche sich um die Betreuung von Kindern kümmerte, sodass Eltern, die dem Festival beiwohnten, sich beruhigt dem Bühnenprogramm und den zahlreichen Vorträgen widmen konnten. Eine Bar sowie eine vegane Vokü (Volxküche) sorgten für das leibliche Wohl und zeigten, dass alternative Ernährungsformen möglich und vor allem auch gesund sind.

Störungen?

Kleinere Störungen zwischendurch durch rechte und rechtsoffene Jugendliche schadeten der Veranstaltung nicht. Eine Gruppe
von ungefähr 30 Personen positionierte sich nahe dem Festival und provozierte durch Pöbeleien und mehrmalige Versuche, in größeren Gruppen auf das Gelände zu kommen. Eine dieser Personen musste sogar in polizeilichen Gewahrsam genommen werden, da diese einem Platzverweis nicht nachkam. Diese Gruppe bewies wieder einmal die Notwendigkeit, eine alternative Jugendkultur zu etablieren.

Das Festival ist vollkommen gelungen und wir können als Resümee ziehen, dass alternative Kultur in Limbach nicht nur nötig, sondern auch möglich ist. Die Einnahmen, die an diesem Tag erzielt wurden, werden an die Soziale und Poltische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. gespendet, damit das Projekt „Doro 40″ schneller ermöglicht werden kann. Wir hoffen, dass dies im Interesse aller Unterstützer_Innen und Spender_innen ist.

Am Schluss möchten wir uns nochmal bei allen Unterstützer_innen ganz herzlich bedanken. Vor allem bei jenen, die durch die Kampagne „20 € für Kultur im Hinterland“ eine finanzielle Basis gaben. Wir bedanken uns auch bei allen Künstler_innen, Helfer_innen und Referent_innen, denn ohne all diese Personen wäre ein „Stay Rebel“ in diesem Ausmaß in Limbach niemals
möglich gewesen.

Auf ein Neues im nächsten Jahr.

Soziale und Poltische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.