„Aufstand im Schlaraffenland!“

Wie letztes Jahr fand auch in diesem Jahr ein alternativ-kulturelles Festival in der Innenstadt von Limbach-Oberfrohna statt – das Stay Rebel. So kamen um die 160 Personen unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“ auf dem Johannisplatz, um ein breites Bildungs- und Kulturprogramm zu genießen.

Politischer Input

Wie letztes Jahr hatten auch in diesem mehrere Organisationen, wie zum Beispiel Antifagruppen aus der Region, das Bunte Bürgerforum, die Opferberatung RAA Sachsen und weitere Initiativen, die sich für eine emanzipatorischere Gesellschaft einsetzen, die Möglichkeit an den Infoständen ihre Arbeit vorzustellen. Dabei griffen die Besucher_innen mehrmals nach dem ausgelegten Material und stellten einige Fragen. So auch bei dem Infostand unseres Vereins, der eine Kostprobe auf das zahlreiche Bildungsangebot unseres zukünftigen Infoladens „Schwarzer Peter reloaded“ geben konnte.

Weitergehend wurde den angereisten politisch-aktiven Gruppen die Möglichkeit geboten, die Bühne für Redebeiträge zu nutzen. Diese Redebeiträge wurden von sehr vielen Teilnehmer_innen sehr positiv aufgenommen, sodass die angesprochenen Themen über Ungleichwertigkeitsideologien auf großes Gehör stießen.

Ebenfalls fand auf der Bühne eine Podiumsdiskussion zum Thema „Antifaschistisches Engagement in der sächsischen Provinz“ statt. Dabei waren Vertreter_innen des Bunten Bürgerforums, der Opferberatung RAA Sachsen, des „Roten Baums“ aus Zwickau und unseres Vereins zu sehen. Die Diskussion handelte vorallem über einen Erfahrungsaustausch in Hinblick auf die Arbeit gegen Nazis in ländlichen Regionen. Letztendlich kamen die Podiumsteilnehmer_innen zu dem Ergebnis, dass fast alle Gruppen, die sich gegen menschenverachtende Ideologien einsetzen, mit den selben Problemen zu kämpfen haben: meist stößt das Engagement auf eine sture Stadtverwaltung, die jegliche emanzipatorische Arbeit als schädlich begreift. Weitergehend zerstören Nazis vieles, was mit sehr viel Mühe aufgebaut wurde. Als hilfreich im Kampf gegen Nazis wurde festgestellt, dass vorallem alternative Freiräume und eine solidarische Zusammenarbeit aller politischen Kräfte das Zurückdrängen des Neonazismus fördern.

Nicht nur die Bühne und die Infostände wurden für den politischen Bildungsprozess genutzt: zwei Referatszelte sorgten für eine tiefgreifendere Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themen. So haben wir einen Workshop über die Verhältnisse der sächsischen Asylpolitik von der MdL Freya-Maria Klinger, einen Workshop mit dem Titel „Das Hufeisen an den Nagel hängen“ von der Roten Hochschulgruppe Chemnitz und den Workshop „Riot Girls – feministische Bewegungen“ (als Ersatz für den zuerst geplanten Workshop „Was Superman und Barbie uns vorgeben) vom Netzwerk für Demokratie und Courage angeboten. Zudem sollte der Film „Die Tragödie der Provinz“ gezeigt werden.
Dabei ist selbstkritisch zu bemerken, dass die Referatszelte im letzten Jahr wesentlich besser besucht waren – dies ist aber möglicherweise durch die geringere Teilnehmer_innenzahl zum letzten Jahr zuzuschreiben. Jedoch ist diese geringere Zahl an Besucher_innen nicht durch ein schlechteres Programm oder Ähnliches zu begründen, sondern durch die Ereignisse in Leipzig. Den Demonstrant_innen sei hierbei unsererseits große Solidarität zugeschrieben – Nazi-Kundgebungen zu blockieren ist genauso unverzichtbar, wie das Stay Rebel in Limbach-Oberfrohna.

Alternativ-kulturelle Angebote

So wie die zahlreichen anderen Stay Rebel, die bisher in Sachsen stattfanden, bewies auch das in Limbach-Oberfrohna, dass die Verbindung von Bildungs- und Kulturprogramm eine sinnvolle ist. So traten Bands aus den unterschiedlichsten Genres auf. Zuerst spielte „Berlinska Dróha“ (Akustisch/Folk) aus Berlin. Danach trat „One Step Ahead“ (Hardcore/Punk) aus Limbach-Oberfrohna als Vertretung für Attic Sounds auf. Im Anschluss kamen „Gone For Broke“ (Hardcore) aus Chemnitz auf die Bühne – folgend die oben erwähnte einstündige Podiumsdiskussion. Als letztes trat „Meniak“ (Fusion/Latin/Ska) aus Chemnitz/Dresden/Leipzig/Berlin/
Markneukirchen/Jena/Nürnberg auf. Als im Anschluss eine Feuershow gezeigt wurde, versammelten sich sogar einige der Anwohner_innen direkt vor der Bühne, um das Spektakel näher zu beobachten.

Unser Angebot nimmt in der Aufzählung einfach kein Ende: So haben wir Grafittiwände aufgestellt, eine Kinderecke organisiert und für veganes Essen und Trinken gesorgt. Vorallem die Grafittiwände und die Kinderecke wurde von vielen genutzt und lösten große Begeisterung aus.

Und unsere überdeutschen Freunde?

Störungen gab es dieses Jahr so gut wie gar keine. Einmal versuchten zwei Personen, von denen eine eindeutig als nazistisch eingestuft werden kann, mit Bierflaschen (trotz Glasflaschenverbot) dem Event beizuwohnen. Nach mehreren Aufforderungen das Gelände zu verlassen, langen Diskussionen mit Beamt_innen der Polizei und des Ordnungsamtes und zahlreichen Beleidigungen ausgehend von den zwei Störern, kamen diese endlich der Aufforderung das Festival zu verlassen nach. Weitergehend waren mehrere rechtsoffene Jugendliche um das Gelände herum gesichtet worden. Zudem wurde mehrmals versucht aus einem vorbeifahrenden Auto heraus die Teilnehmer_innen zu filmen. Letztendlich kann aber gesagt werden, dass es dieses Jahr wesentlich ruhiger als letztes Jahr war; da versuchte eine Gruppe von circa 30, eher als jung einzustufende, Gruppe an Neonazis auf das Gelände zu kommen, was erfolgreich von den Ordner_innen verhindert werden konnte.

Schlussbetrachtung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Stay Rebel Festival Limbach-Oberfrohna 2011 ein voller Erfolg war. Besucher_innen haben das bunte und breite Programm gut genutzt und es gab so gut wie keine Störungen. Politisch aktive Gruppen wurden zusammengeführt und konnten sich austauschen, Bands konnten sich vorstellen, politische Inhalte wurden an die Teilnehmer_innen weitergetragen und wir haben mal wieder gezeigt: Wir sind in der Lage Orte zu schaffen, wo menschenverachtende Ideologien keinen Platz finden – denn diese Orte sind notwendig, um den nazistischen Mainstream innerhalb der limbacher Jugendlichen zurückzudrängen.

Am Schluss möchten wir uns bei allen Unterstützer_innen bedanken. Ohne Solidarität von allen Helfer_innen, Referent_innen, Initiativen, Bands, Ordner_innen und so weiter wäre ein Stay Rebel 2011 in so einem Ausmaß nicht möglich gewesen.
Bis zum nächsten Jahr!

Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.